Maskenkunde | Wir müssen über Lücken sprechen

Optimierte Hybrid-Maske als Übermaske, Cover, Hülle oder Überzug; Alltagsmaske, Mund-Nase-Maske oder Mund-Nase-Bedeckung zum Selbstnähen mit Anleitung, Schnittmuster und Schablone auf Stoff mit Nasenbügel, Filteröffnung und Tunnelzug für Ohrhalter und Kopfbändel von Iris Luckhaus

In Deutschland wurde gestern das verpflichtende Tragen medizinischer Masken, d.h. FFP2-Masken oder OP-Masken, beschlossen. Da die Zertifizierung als Medizinprodukt in öffentlichen Raum kaum kontrolliert werden kann, läuft das darauf hinaus, dass nun alles außer Stoffmasken erlaubt ist. Ich würde gern erklären, warum ich das nach allem, was ich über Masken weiß, äußerst problematisch finde, welche Rolle Filterfunktion und Passform bei der Effizienz von Masken spielen, und außerdem Lösungen für einen verantwortungsvollen, sicheren und nachhaltigen Umgang mit medizinischen Masken aufzeigen. Eine dieser Lösungen könnten Übermasken bzw. Maskenhüllen aus Stoff sein.


Inhaltsverzeichnis

(1) Maskenkunde: Wie funktionieren Masken, was sind die Eigenschaften medizinischer und Alltagsmasken?
(2) Problematik und Lösung: Tests für zuhause, Mehrfachnutzung von Einwegmasken, Verbesserung der Passform
(3) Doppelmasken: Hybrid-Maske über FFP2-/KN95-Masken, OP-Masken und Instant-Masken, Tipps und Tricks


Optimierte Hybrid-Maske als Übermaske, Cover, Hülle oder Überzug; Alltagsmaske, Mund-Nase-Maske oder Mund-Nase-Bedeckung zum Selbstnähen mit Anleitung, Schnittmuster und Schablone auf Stoff mit Nasenbügel, Filteröffnung und Tunnelzug für Ohrhalter und Kopfbändel von Iris Luckhaus

Von Anfang an…

Ich habe Bekleidungsdesign mit Schwerpunkt Schnitt studiert, seither aber hauptsächlich als Illustratorin gearbeitet. Im Frühjahr wollte ich eigentlich nur ein paar Masken für Freunde und Familie nähen und habe alle Schnitte, die ich finden konnte, getestet. Nachdem die überhaupt nicht saßen, habe ich das dabei Gelernte genutzt, um ein eigenes Schnittmuster zu erfinden. Der erste Versuch saß perfekt – lückenlos und beschlagsfrei, rutschsicher und räumig zum Atmen und Sprechen! Um anderen zu helfen, habe ich den Schnitt veröffentlicht, und seither wird die “Luckhaus Hybrid Mask” mit Begeisterung von Freiwilligen und Partnern aus aller Welt genäht. In der Zwischenzeit habe ich unzähligen Nähern geholfen, BildanleitungAnpassungen, Instantmaske und eine Grafik zum Maskenbinden erstellt.

Mein Spezialgebiet ist Schnittkonstruktion, nicht Materialkunde, aber nachdem ich im vergangenen Jahr viel Zeit damit verbracht habe, wissenschaftliche Studien und Artikel zu lesen und zu diskutieren, habe ich einiges über die Funktionsweise von Masken gelernt. Auf dieser Grundlage schreibe ich hier, nach bestem Wissen und Gewissen.

Die Darstellung von Alltagsmasken in der deutschen Presse erstaunt mich grade immer wieder. Dort wird behauptet, Stoffmasken würden “generell nicht filtern” oder die Luft würde bei Stoffmasken “zur Seite austreten”, wohingegen medizinische Masken unter allen Bedingungen ein perfekter Schutz wären. Nach allem, was ich weiß, ist das schlicht falsch – und die Entscheidung, medizinische Masken verpflichtend zu machen, finde ich nicht nachvollziehbar.

Es geht mir keineswegs darum, hier Masken zu verkaufen. Sollte Ihnen mein Schnitt gefallen, können Sie den gern für sich selbst, Familie und Freunde nachnähen/-tackern, ohne dass ich daran verdiene. Ich will lediglich ein paar Missverständnisse klarstellen, dabei Bildung, die mir anderenorts fehlt, vermitteln sowie den verantwortungsvollen Umgang mit allen Arten von Masken fördern – und damit anderen helfen, sich ein bisschen besser zu schützen.


Wie funktionieren Masken denn eigentlich gegen Viren?

Masken filtern die Atemluft und schützen dadurch den Träger vor dem Einatmen gefährlicher Partikel sowie den Gegenüber bzw. die Raumluft vor der Abgabe selbiger. Auch sehr einfache Masken können Tröpfchen auffangen und damit einen “Spuckschutz” darstellen, die Filterung feinster Partikel wie Aerosole ist allerdings aufwendiger.

Die Filtereffizienz von Masken wird nicht nur durch (a) das verwendete Material, das möglichst wenig Partikel, aber (b) möglichst viel saubere Luft durchlassen sollte, sondern auch durch (c) den lückenlosen Sitz bestimmt. Wenn sich um die Nase herum, an Seiten und Kinn Lücken bilden, strömen die Atemluft sowie darin enthaltene Partikel dort ungehindert ein und aus. Diesen Luftstrom kann man z.B. bei beschlagenen Brillen sehr anschaulich beobachten!

Viren sind sehr klein. Das Coronavirus misst etwa 0,1 Mikron (μm) und 1 μm ist 1/1.000 mm, d.h. das Coronavirus misst 1/10.000 mm. Viren werden typischerweise als Teil eines Tröpfchens ausgestoßen und verklumpen in der Luft mit Salz und Proteinen. Wissenschaftler diskutieren lebhaft darüber, welche Partikelgröße am meisten zur Covid-Übertragung beiträgt. Es ist unwahrscheinlich, dass Partikel unter 0,3 μm eine Rolle spielen, da ein so geringes Volumen kaum genug Viren enthalten kann. Der amerikanische N95-Maskenstandard testet auf 0,3 μm Partikel, während der europäische Standard für medizinische Masken auf 3 μm Partikel testet. Obwohl dies wichtig ist, spielen Testergebnisse keine Rolle, wenn die Luft eher um die Maske herum als durch sie hindurchströmt! Lücken, durch die Luft strömt, können die getestete (!) Wirksamkeit einer Maske ganz erheblich beeinträchtigen.

Wenn man Stoffe gegen das Licht hält, kann man feine Löcher sehen, die durch die Bindung der Fäden entstehen. Diese Löcher sind bei Wirkware wie Jersey groß und elastisch, bei Webware wie Popeline hingegen kleiner und fester. Medizinische Masken werden nicht aus Fäden, sondern aus gesponnenen (Spunbond) oder sogar schmelzgeblasenen (Meltblown) Polypropylen-Fasern hergestellt, daher sind selbst unter dem Mikroskop kaum Löcher erkennbar. Für medizinische Masken werden in der Regel 3-5 Polypropylen-Vliese übereinander gelegt (z.B. S-M-S) und häufig mit einer elektrostatischen Ladung versehen. Filterwirkung und Atemdurchlässigkeit sind erstaunlich.

Mit im Handel erhältlichen Stoffen und Vliesen ist es leider nicht möglich, eine solche Filtereffizienz zu erzielen. Wir können aber immerhin zugrundeliegende Prinzipien nutzen, um die Filterwirkung von Stoffmasken zu optimieren – beispielsweise durch möglichst dicht gewebte Stoffe und das “Schweizer Käse Prinzip” bzw. “Tortuous Path”, laut dem die Überlagerung mehrer undichter Schichten zu einem relativ undurchlässigen Ergebnis führt.


Abbildung: Table 1 aus “Aerosol Filtration Efficiency of Common Fabrics Used in Respiratory Cloth Masks von Konda et al. Aufgrund von Problemen mit der Luftströmung sind die Ergebnisse möglicherweise nicht ganz korrekt, aber der Vergleich von “no gap” und “with gap” zeigt deutlich den Filterverlust durch Lücken. Weitere Studien finden Sie z.B. auf Smart Air Filters oder Mask FAQ. FMVIZ bietet sogar einen Rechner für Materialkombinationen (3 Lagen) an!


Was sind die besonderen Eigenschaften medizinischer Masken?

FFP2-Masken sind partikelfiltrierende Halbmasken aus dem Arbeitsschutz und werden vor allem im medizinischen (Gefahren-) Bereich verwendet. FFP-Bezeichnung und CE-Zeichen dürfen nur Masken tragen, die in der EU-Prüfung min. 94% (FFP2 / KN95), 95% (N95) bzw. 99% (FFP3) der Testaerosole filtern. In Krankenhäusern gibt es vorab ärztliche Untersuchungen und Schulungen zum Umgang mit FFP2-Masken, die nach Modell und Größe speziell auf den Träger angepasst werden. Der korrekte, absolut lückenlose Sitz wird mithilfe jährlicher Fit Tests überprüft.

Ohne spezielle Anpassung und Tests ist es schwierig, die volle Filtereffizienz zu erreichen. FFP-Masken bestehen aus besonders dichtem Material und wenn sie nicht absolut lückenlos sitzen, strömt die Luft um so leichter ungefiltert über die Lücken ein und aus. Dadurch büßen Masken ggf. bis zu 2/3 ihrer Filterleistung ein (siehe Tabelle oben; eine Lücke von nur 1% der Oberfläche einer N95-Maske reduziert die Filtration kleinerer Partikel auf unter 15%!).

Ebenso wie FFP-Masken werden auch OP-Masken aus mehrschichtigen Kunststoffen hergestellt, die einerseits möglichst wenig durchlässig für Partikel sind, andererseits aber auch möglichst wenig Atemwiderstand bieten. Darüber hinaus werden diese Materialien oft mit einer elektrostatischen Ladung versehen, die Partikel abstößt. Da diese elektrostatische Ladung feuchtigkeitsempfindlich ist, lassen sich medizinische Masken generell nicht waschen.

OP-Masken sind dazu da, Träger und Gegenüber vor ausgeatmeten Tröpfchen zu schützen sowie Ansteckungen über kontaminierte Hände zu verhindern. Vor Aerosolen schützen sie kaum. Das CE-Zeichen dürfen Masken tragen, deren Material seine Filterwirkung in einer EU-Prüfung bewiesen hat. Durch viereckige Form und lockeren Sitz strömt zwangsläufig ein Großteil der Atemluft zu den Kanten hinein und hinaus. Die Schutzwirkung ist daher sehr begrenzt.

Im Handel erhältliche medizinische Masken sind meist nur in einer Einheitsgröße verfügbar, die nicht allen gut passt.

Beim Kauf medizinischer Masken ist auf das CE-Zeichen sowie die darauf folgende vierstellige Kenn-Nummer der Zertifizierungsstelle zu achten. Das Zertifikat wird nach Vorgaben der Europäischen Norm 149:2001+A1:2009 bzw. EN 149:2009-08 für Filterleistung und Dichtsitz vergeben und entsprechend EU-Verordnung (EU) 2016/425 ausgestellt.

Über die Filterleistung einfacher Papiermasken oder gefälschter medizinischer Masken habe ich leider keine Angaben gefunden. Fälschungen sind offenbar in hohen Zahlen im Umlauf und für Laien nur schwer zu erkennen. Beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte gibt es hilfreiche Empfehlungen, worauf man achten sollte.


Optimierte Hybrid-Maske, Behelfsmaske, Alltagsmaske, Stoffmaske, Mund-Nase-Maske oder Mund-Nase-Bedeckung zum selber Nähen nach Anleitung, Schnittmuster und Schablone, passt lückenlos und rutscht nicht dank Rückwärtsfalte für Brillenträger, Nasenbügel, Filteröffnung und Tunnelzug für Ohrgummis oder Kopfbändel von Iris Luckhaus

Was sind die besonderen Eigenschaften von Alltagsmasken?

Alltagsmasken oder Mund-Nase-Bedeckungen umfassen ein breites Feld, das sich kaum einheitlich definieren lässt – außer vielleicht dadurch, dass Stoffmasken i.d.R. unkompliziert in der Handhabung sind. Durch ihre Waschbarkeit ermöglichen sie es auch denen, die es sich nicht leisten können, ständig neue medizinische Masken zu kaufen sowie allen, die Plastikmüll vermeiden wollen, sich und andere preisgünstig, nachhaltig und hygienisch zu schützen.

Als Alltagsmasken werden nicht nur locker sitzende Modelle geringer Filtereffizienz, wie z.B. einlagige Jerseymasken, oder Modelle mit mittlerer Filtereffizienz, wie die klassische zweilagige Baumwollmaske, bezeichnet, sondern auch dicht sitzende Modelle mit 3-4 Lagen, die eine überraschend hohe Filtereffizienz erreichen können.

Im März, als Masken knapp waren, wurden auch in Deutschland viele selbst genäht – das hat aber aufgehört, als es gegen Mai (wieder) Masken im Handel gab. In anderen Ländern hingegen nähte man eifrig weiter, u.a. für Spenden an Bedürftige und zum Verkauf. Dabei wurden Materialien, Schnitte und Details weiter erforscht und entwickelt.

Die WHO, die gesunden Menschen unter 60 Jahren nach wie vor Stoffmasken empfiehlt, veröffentlicht regelmäßig Materialempfehlungen. Die aktuelle Empfehlung für einen wirksamen Schutz sind drei dicht gewebte Lagen mit (a) äußerer Schicht aus wasserabweisendem Material wie Polyester, (b) mittlerer Schicht aus einem filternden Material wie Polypropylen-Vlies (NWPP) und Feuchtigkeit absorbierender innerer Schicht wie Baumwolle.

Bei Alltagsmasken sollte man selbstverständlich ebenfalls darauf achten, Lücken zu vermeiden, selbst wenn diese die Filterleistung nicht ganz so drastisch verringern wie bei den dichteren medizinischen Masken. Das Material von Stoffmasken ist meist etwas durchlässiger, daher wird selbst bei Lücken ein höherer Anteil der Atemluft gefiltert.

Stoffmasken gibt es in verschiedenen Formen und Größen, so dass jeder ein passendes Modell finden kann.

Für Alltagsmasken gibt es bislang keinen einheitlichen Standard und auch keine Zertifizierung.

Die Empfehlung der WHO wird auf MakerMask.org schön zusammengefasst und erklärt. Bei FMVIZ gibt es darüber hinaus sogar ein Tool, das die Filtereigenschaften eigener Materialien (3 Lagen, ohne Passform) berechnen kann! Open Source Medical Supplies listet nicht nur fabelhafte Projektanleitungen, sondern vermittelt auch viel Bildung. Eine gute Linkliste auf deutsch bietet Maskezeigen.de, ein Projekt aus dem Hackathon der Bundesregierung.


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Was ist das Problem?

Medizinische Masken werden aus Materialien mit sehr hoher Filtereffizienz gefertigt. Die Dichte dieser Materialien führt dazu, dass durch Lücken um den Rand der Maske Luft ungefiltert ein und aus strömen kann. Stoffmasken sind oft aus weniger filtereffizientem Material, dadurch wird die Luft aber selbst bei Lücken zumindest teilweise gefiltert. Stoffmasken bieten außerdem die Möglichkeit, Lücken durch für das eigene Gesicht geeignete Schnitte zu vermeiden.

Darüber hinaus sind Stoffmasken waschbar, dadurch einfacher zu pflegen, nachhaltiger und preisgünstiger, während medizinische Masken häufig falsch gepflegt (z.B. gewaschen) oder einfach immer wieder getragen werden. Dadurch wird nicht nur die Filterwirkung beeinträchtigt, sondern es können sich auch gefährliche Keime ansammeln.

Es gibt Menschen, die aus beruflichen und / oder gesundheitlichen Gründen auf FFP2-Masken angewiesen sind und für die diese zuverlässig verfügbar sein sollten! Medizinische Masken sind meist nur in einer Einheitsgröße verfügbar, die vielen schlecht passt. Es ist für den Laien schwer ersichtlich, ob es sich um (CE-)Fälschungen handelt.

Für medizinisches Fachpersonal, das speziell geschult und getestet wird, sind medizinische Masken zweifelsohne der bestmögliche Schutz. Einer Verpflichtung der allgemeinen Bevölkerung zum Tragen dieser Masken stehen allerdings die – offenbar weithin unbekannten – Probleme unsachgemäßer Nutzung entgegen. Die allermeisten gehen davon aus, dass man eine FFP-Maske einfach aufsetzt und komplett geschützt ist, und verhalten sich oft entsprechend.

Bei der Verpflichtung fehlt mir die wissenschaftliche Begründung. Meines Wissens gibt es keine Studie, die zeigt, dass Stoffmasken für die breite Bevölkerung weniger effektiv wären als Papiermasken. Das einzige, was ich finden konnte, war die Begründung des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder: Wird das Virus gefährlicher, muss die Maske besser werden. Das finde ich inhaltlich vollkommen richtig, auch wenn ich der Konsequenz daraus nicht zustimme.

Rund um die Welt gab und gibt es Informationskampagnen darüber, wie man Stoffmasken möglichst effektiv gestaltet und worauf man beim Kauf achten muss. So etwas vermisse ich in Deutschland bis heute! Da hätte man sehr gut ansetzen und ggf. kaum filternde Modelle wie einlagige Jerseymasken vom Markt nehmen oder verbieten können.

Art FFP2-Maske (Handel) OP-Maske (Handel) Papiermaske Stoffmaske
Filtermaterial Exzellent Sehr hoch Fraglich Niedrig bis hoch
Zertifizierung Ja (CE-Zeichen) Ja (CE-Zeichen) Keine Keine
Passform Erforderlich (Fit Test) Lücken Lücken Breites Spektrum
Größen Meist Einheitsgröße Meist Einheitsgröße Meist Einheitsgröße Breites Spektrum
Pflege Kompliziert Kompliziert Kompliziert Waschbar
Nachhaltigkeit Wegwerfprodukt Wegwerfprodukt Wegwerfprodukt Mehrwegprodukt
Preis Am teuersten Eher günstiger Billig Unterschiedlich


Wie kann ich das für mich selbst lösen?

Für mich und viele andere bedeutet die medizinische Maskenpflicht, von nun an in Risikosituationen nur noch Masken tragen zu dürfen, die zwar sehr gute Filtereigenschaften haben, aber durch ihre Passform letztlich sogar riskanter sein können als gut filternde und lückenlos sitzende Stoffmasken. Um mich und andere auch weiterhin effektiv zu schützen, versuche ich hier Lösungen zu finden, wie sich die geltende Bestimmung mit einem möglichst verantwortungsvollen, sicheren und nachhaltigen Umgang mit diesen Masken vereinbaren lässt.


Kann ich selbst herausfinden, wie gut Masken schützen?

Es gibt einige einfache Tests, mit denen man Filtereffizienz und Passform seiner Masken auch zuhause prüfen kann! Diese Tests sind nicht nur dann nützlich, wenn man selbst Masken näht, sondern auch dann, wenn man gekaufte Masken (deren Zertifikat u.U. wenig vertrauenswürdig erscheint) prüfen, vergleichen und ggf. optimieren möchte.

Bevor Sie mit einer neuen Art von Maske unter Leute gehen, sollten Sie testen, ob – und unter welchen Bedingungen – Sie damit gut atmen können, z.B. beim Treppensteigen. Falls Sie unsicher sind, fragen Sie bitte Ihren Arzt!

So können Sie testen, ob – und wo genau – Ihre Maske Lücken aufweist:
★ Brillen-Test: Wenn die Brille beschlägt, heißt das, dass der obere Rand der Maske nicht lückenlos abschließt.
★ Minz-Test: Wenn Sie ein Pfefferminz (z.B. Tictac) essen und das in den Augen brennt, ist die Maske oben nicht dicht.
★ Puste-Test: Wenn man kräftig atmet, sollte sich die Maske wölben. Luftzug oder Rand-Bewegungen zeigen Lücken!
★ Hand-Test: Um Luftzug oder Bewegung zu spüren, legt man beim kräftigen Ausatmen Hände um den Maskenrand.
★ Kiemen-Test: Lassen Sie jemanden von schräg hinten auf die Maskenseiten schauen, während Sie schwer ausatmen.
★ Rauch-Test: Wer Rauch einatmet und in der Maske ausatmet, kann den Weg des Luftstroms klar verfolgen.

Um herauszufinden, ob Ihre Maske rutschfest sitzt, sollten Sie diese vorab nicht nur kurz aufprobieren, sondern auch damit sprechen, lachen und gähnen – und danach ggf. die oben genannten Lücken-Tests abermals durchführen.

So können Sie testen und vergleichen, wie effektiv Ihr Material filtert:
★ Licht-Test: Wenn Sie Ihre Stoffe oder Masken ans Licht halten, können Sie gut sehen, wie dicht das Gewebe ist.
★ Spray-Test: Wenn Sie Wasser durch Stoff auf einen Spiegel sprühen, können Sie die Durchlässigkeit erkennen.
★ Vom beliebten Kerzen-Test raten wir ab, da nur die Luftdurchlässigkeit und nicht die Filtereffizient bestimmt wird.

MakerMask.org zeigen auf ihrer Website drei detailliertere, wissenschaftlichere Tests zur Materialeffizienz.

Bei OSHA Fit Tests in Krankenhäusern wird kontrolliert, ob die maskierten Probanden intensive Gerüche einer bestimmten Partikelgröße (z.B. Saccharin) wahrnehmen können. Laut Act Laboratory lässt sich ein recht ähnlicher Test zuhause mit Nag Champa Räucherstäbchen durchführen, das haben wir selbst aber noch nicht ausprobiert.

Wenn Sie meinen Tipps folgen, tun Sie dies auf Ihre eigene Verantwortung. Ich kann nicht garantieren, dass Sie sich nicht anstecken oder anderweitig zu Schaden kommen! Bitte befolgen Sie die üblichen Sicherheitsregeln (AHA+L) sowie lokale Maßnahmen. Bei Problemen oder Unsicherheiten fragen Sie bitte Ihren Arzt!

Kann ich Einwegmasken mehrmals tragen?

Generell ist unbedingt davon abzuraten, Masken mehrmals direkt hintereinander zu tragen! Getragene Masken jeder Art sollten vorsichtshalber immer so behandelt werden, als wären sie kontaminiert, und daher z.B. nur an den Bändeln und keinesfalls mittendrauf angefasst oder gar – wie häufig praktiziert – um den Hals gehängt werden.

Viren und Bakterien, die die Maske möglicherweise verunreinigen, lassen sich bei medizinischen Masken durch eine Trockenzeit von min. 7 Tagen oder Erhitzen im Backofen (60 Min. bei exakt 80°) deaktivieren. Sollten medizinische Masken feucht oder schmutzig werden, verlieren sie ihre Filtereigenschaften und sollten sicher entsorgt werden.

Die FH Münster bietet ein detailliertes, bebildertes PDF über “Möglichkeiten und Grenzen der eigenverantwortlichen Wiederverwendung von FFP2-Masken für den Privatgebrauch” an, dessen Lektüre ich hier empfehlen möchte.


Was kann ich tun, um die Passform meiner Masken zu verbessern?

Grundsätzlich sollte jede Gesichtsmaske rundherum möglichst dicht am Gesicht anliegen, ohne einzuengen. Bei manchen Trägern und Modellen mag das auf Anhieb perfekt sitzen, bei den weitaus meisten tut es das aber nicht.

Um den Sitz zu verbessern, sollte man zunächst die Bändel so anziehen, dass sie stramm, aber bequem sitzen. Bei medizinischen Masken lassen sich die Ohrhalter ggf. durch Schiebeknoten (s.u.) verkürzen, mit einer oder mehr (Büro-)Klammer/n auf dem Hinterkopf befestigen oder von beiden Seiten um Zopf/Dutt legen (s.u.). Bei OP-Masken kann man die Bändel – möglichst nah an der Klebe-/Schweißstelle – ganz einfach verknoten und das abstehende Material nach innen stecken (“Knot & Tuck”, CDC-Video). Sind die Bändel lang genug, können sie ggf. auch aufgeschnitten und hinter dem Kopf gebunden werden. Mehr Maskenbindetechniken finden Sie in einem separaten Beitrag! Dort gibt es auch einige Lösungen für empfindliche Ohren sowie die Träger von Brillen oder Hörgeräten.

Abbildung: Binden eines Schiebeknotens in vier Schritten

Im nächsten Schritt sollte der Nasenbügel so angedrückt werden, dass er sich lückenlos um Nase und Wangen formt. Bei FFP-Masken hilft es, die harte Spitze, die sich bei vielen Modellen durch die Faltung in der Mitte ergibt, auszustreichen und um einen Finger herum rund zu formen. Sollte das nicht ausreichen, kann der Nasenbereich mit Doppelklebeband oder Silikonstreifen (“BH-Tape”) besser abgedichtet werden. Bei OP-Masken, die im Nasenbereich besonders schlecht sitzen, kann der obere Rand als Rückwärtsfalte vorsichtig nach innen geklappt werden.

Eine kürzlich von Clapp et al durchgeführte Studie ergab, dass eine (a) normal (= mit Lücken) getragene OP-Maske 38,5% der Partikel filtert. Daneben wurden verschiedene Methoden zum Verschließen der Lücken getestet, z.B (b) Knoten der Ohrhalter und Einstecken der seitlichen Falten führt zu 60,3%, (c) Befestigen der Ohrschlaufen auf dem Hinterkopf führt zu 64,8%, (d) Platzieren eines Rings aus 3 Gummibändern über der Maske und um die Ohren herum (s. Foto oben) führte zu 78,2% und (e) ein über der Maske getragenes 10-Zoll-Segment aus Nylonstrümpfen führte zu 80,2% Filtereffizienz. Das bedeutet, dass Sie durch sorgfältiges Schließen der Lücken die Filtereffizienz einer OP-Maske mehr als verdoppeln können! Die neue Empfehlung der CDC für Doppelmasken basiert auf dieser Studie.

Infografik zu Maskenbindetechniken, die am Beispiel der Hybrid-Maske verschiedene Arten oder Wege zeigt, wie man die Behelfsmaske, Alltagsmaske, Mundmaske, Stoffmaske, Mund-Nasen-Maske oder Mund-Nasen-Bedeckung mit Ohrhalter, Ohrgummi, Ohrband oder Kopfbändel aus Elastik, Jersey oder Textilband mit und ohne verstellbare Schiebeknoten, Ponyperlen oder Kordelstopper und Dutt oder Pferdeschwanz an den Ohren oder um den Kopf befestigt, von Iris Luckhaus

Neben geknoteten Gummibändern (s. Foto oben) oder Nylonstrümpfen gibt es auch professionellere Konstruktionen, die den Sitz einer OP-Maske verbessern und Lücken reduzieren können, z.B. Mask Braces or Mask Fitter. Wir lösen das Problem auf ähnliche Art, indem wir lückenlos sitzende Stoffmasken über FFP2- bzw. OP-Masken tragen.


Optimierte Hybrid-Maske als Übermaske, Cover, Hülle oder Überzug; Alltagsmaske, Mund-Nase-Maske oder Mund-Nase-Bedeckung zum Selbstnähen mit Anleitung, Schnittmuster und Schablone auf Stoff mit Nasenbügel, Filteröffnung und Tunnelzug für Ohrhalter und Kopfbändel von Iris Luckhaus

Doppelmasken kombinieren optimale Filterung und Passform

Als im Frühjahr 2020 selbst beim medizinischen Fachpersonal die FFP2-/KN95-Masken knapp waren und oft wochenlang vorhalten mussten, habe ich vielen Ärztinnen und Pflegern dabei geholfen, Masken nach meinem Hybridschnitt als Cover für ihre medizinischen Masken zu nähen und war überrascht, wie gut das passt und sitzt!

Mit Risikogruppe in der Familie müssen wir uns besonders gut schützen, und die üblichen FFP2-/KN95-Masken sitzen bei uns allen leider nicht perfekt, d.h. absolut lückenlos. Daher tragen wir seither in Risikosituationen ebenfalls selbst genähte Hybridmasken über unseren FFP2-/KN95-Masken, die durch die Übermasken nicht nur zuverlässig lückenlos abgedichtet, sondern auch gut geschützt werden, so dass sie etwas länger getragen werden können.

Auch für Bartträger eignet sich der Hybrid als Übermaske, da die abstehenden Härchen im Wangenbereich dank der seitlichen Tunnelzüge deutlich näher ans Gesicht gedrückt werden, wodurch sich die Lücken drastisch reduzieren.

In einem separaten Beitrag über Doppelmasken stelle ich unsere Erfahrungen mit der Hybridmaske und FF2-/KN95-Masken sowie OP-Masken im Detail vor, mit Tipps für eine unkomplizierte, sichere und komfortable Handhabung.


Sind Doppelmasken in Deutschland denn erlaubt?

Im Januar wurde das verpflichtende Tragen medizinischer Masken beschlossen, nicht das Tragen sichtbarer medizinischer Masken (das wäre wohl kaum wissenschaftlich zu begründen!) – also spricht, soweit ich das beurteilen kann, absolut nichts dagegen, medizinische Masken mit einer Stoffmaske als abdichtende Hülle obendrüber zu tragen.

Falls jemand beanstandet, dass meine Masken-Kombination nicht wie eine medizinische Maske aussieht, verweise ich auf doppelte Bändel und habe trainiert, eine Seite der Übermaske für einen Moment so zu lüpfen, dass die untere Maske an Ort und Stelle bleibt! Daneben nehme ich auch die Verpackungen der medizinischen Masken mit.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Doppelmasken, die ihren Träger durch die Kombination effizienter Filter mit einer lückenlosen Passform viel besser schützen, auch hierzulande sehr bald häufiger gesehen werden.


Dieser Beitrag entspricht meinem Kenntnisstand vom 8. August 2021 und wird (wie üblich) bei neuen Erkenntnissen entsprechend korrigiert. Ich freue mich immer wieder sehr über Kommentare, Hinweise und Studien :)


Luckhaus Hybrid Mask Hub

Falls Sie nun neugierig geworden sind und gern bei Hybridschnittmuster, dazugehöriger Bildanleitung, Instantmaske, Bindetechniken o.ä. weiterlesen möchten, gibt’s auf meiner Masken-Verteiler-Seite alle Links mit Bild!


Nutzungsbedingungen, Rechte und Weiterteilen

Dieser Beitrag darf sehr gern weitergeteilt werden. Design, Schnitt und Anleitung der Hybridmaske sind allerdings urheberrechtlich geschützt (© Iris Luckhaus) und dürfen ausschließlich nicht-kommerziell verwendet werden. Ich freue mich immer, Fotos von Hybridmasken unter den Tags @irisluckhaus und #luckhausmask zu entdecken! :)

Um zu erfahren, wie es mit meinen Masken weitergeht (und es geht bestimmt weiter!), sind Sie herzlich eingeladen, mir und meiner Arbeit auf Facebook, Twitter, Instagram, Xing, LinkedIn, Pinterest oder YouTube zu folgen. Dort finden Sie auch meine eigenen Beiträge, die Sie gern mit Ihren Freunden und/oder Gruppen teilen dürfen!

         

Ich verbringe grade jede freie Minute damit, den Helfern beim Helfen zu helfen. Wenn Sie diese Arbeit unterstützen wollen (oder meine Maske so großartig finden, dass Sie sich besonders herzlich bedanken möchten :)), würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir via Paypal-Spende (post@irisluckhaus.de) ein bisschen Zeit schenken könnten!

Sollten Sie Design, Schnitt oder Anleitung gern kommerziell (d.h. mit der Absicht, in irgendeiner Form Gewinn zu erzielen!) verwenden wollen, beispielsweise durch den Verkauf von nach meinem Design genähten Masken zu mehr als Selbstkostenpreis oder Abdruck der Anleitung, kann ich Ihnen auf Anfrage sehr gern ein Angebot dafür erstellen!


Hybrid cloth mask or fabric face covering as a top mask, outer cover or sleeve, with reverse nose pleat for glasses, filter opening for space, channels with ear loops and head ties for a a gapless fit for glasses by Iris Luckhaus, to make or sew yourself with instructions, pattern and template

Danksagung

Herzlichsten Dank an Matthias Klesse, Angelika Luckhaus, Reinhard Luckhaus, Sarah Rice, Matt Thomas, Devon Ostrom, Hope Rambo Metzler, Rebecca Ma Lau, Devon Rowland, Tim Pani, Andrea Haydon, Kiri Schultz, Ania Mitros und Horst sowie die unzähligen Näherinnen und Näher (u.a. aus diversen Facebook-Gruppen) für lehrreiche Diskussionen, interessante Studien, gute Fragen, große Begeisterung und spannende Tests, für Korrekturen und wissenschaftliches Unterfüttern dieses Beitrags sowie die fabelhafte Unterstützung! Für mich seid Ihr alle Helden.


Passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund! ❤

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Maskenkunde | Wir müssen über Lücken sprechen

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In Deutschland wurde gestern das verpflichtende Tragen medizinischer Masken, d.h. FFP2-Masken oder OP-Masken, beschlossen. Da die Zertifizierung als Medizinprodukt in öffentlichen Raum kaum kontrolliert werden kann, läuft das darauf hinaus, dass nun alles außer Stoffmasken erlaubt ist. Ich würde gern erklären, warum ich das nach allem, was ich über Masken weiß, äußerst problematisch finde, welche Rolle Filterfunktion und Passform bei der Effizienz von Masken spielen, und außerdem Lösungen für einen verantwortungsvollen, sicheren und nachhaltigen Umgang mit medizinischen Masken aufzeigen. Eine dieser Lösungen könnten Übermasken bzw. Maskenhüllen aus Stoff sein.


Inhaltsverzeichnis

(1) Maskenkunde: Wie funktionieren Masken, was sind die Eigenschaften medizinischer und Alltagsmasken?
(2) Problematik und Lösung: Tests für zuhause, Mehrfachnutzung von Einwegmasken, Verbesserung der Passform
(3) Doppelmasken: Hybrid-Maske über FFP2-/KN95-Masken, OP-Masken und Instant-Masken, Tipps und Tricks


Optimierte Hybrid-Maske als Übermaske, Cover, Hülle oder Überzug; Alltagsmaske, Mund-Nase-Maske oder Mund-Nase-Bedeckung zum Selbstnähen mit Anleitung, Schnittmuster und Schablone auf Stoff mit Nasenbügel, Filteröffnung und Tunnelzug für Ohrhalter und Kopfbändel von Iris Luckhaus

Von Anfang an…

Ich habe Bekleidungsdesign mit Schwerpunkt Schnitt studiert, seither aber hauptsächlich als Illustratorin gearbeitet. Im Frühjahr wollte ich eigentlich nur ein paar Masken für Freunde und Familie nähen und habe alle Schnitte, die ich finden konnte, getestet. Nachdem die überhaupt nicht saßen, habe ich das dabei Gelernte genutzt, um ein eigenes Schnittmuster zu erfinden. Der erste Versuch saß perfekt – lückenlos und beschlagsfrei, rutschsicher und räumig zum Atmen und Sprechen! Um anderen zu helfen, habe ich den Schnitt veröffentlicht, und seither wird die “Luckhaus Hybrid Mask” mit Begeisterung von Freiwilligen und Partnern aus aller Welt genäht. In der Zwischenzeit habe ich unzähligen Nähern geholfen, BildanleitungAnpassungen, Instantmaske und eine Grafik zum Maskenbinden erstellt.

Mein Spezialgebiet ist Schnittkonstruktion, nicht Materialkunde, aber nachdem ich im vergangenen Jahr viel Zeit damit verbracht habe, wissenschaftliche Studien und Artikel zu lesen und zu diskutieren, habe ich einiges über die Funktionsweise von Masken gelernt. Auf dieser Grundlage schreibe ich hier, nach bestem Wissen und Gewissen.

Die Darstellung von Alltagsmasken in der deutschen Presse erstaunt mich grade immer wieder. Dort wird behauptet, Stoffmasken würden “generell nicht filtern” oder die Luft würde bei Stoffmasken “zur Seite austreten”, wohingegen medizinische Masken unter allen Bedingungen ein perfekter Schutz wären. Nach allem, was ich weiß, ist das schlicht falsch – und die Entscheidung, medizinische Masken verpflichtend zu machen, finde ich nicht nachvollziehbar.

Es geht mir keineswegs darum, hier Masken zu verkaufen. Sollte Ihnen mein Schnitt gefallen, können Sie den gern für sich selbst, Familie und Freunde nachnähen/-tackern, ohne dass ich daran verdiene. Ich will lediglich ein paar Missverständnisse klarstellen, dabei Bildung, die mir anderenorts fehlt, vermitteln sowie den verantwortungsvollen Umgang mit allen Arten von Masken fördern – und damit anderen helfen, sich ein bisschen besser zu schützen.


Wie funktionieren Masken denn eigentlich gegen Viren?

Masken filtern die Atemluft und schützen dadurch den Träger vor dem Einatmen gefährlicher Partikel sowie den Gegenüber bzw. die Raumluft vor der Abgabe selbiger. Auch sehr einfache Masken können Tröpfchen auffangen und damit einen “Spuckschutz” darstellen, die Filterung feinster Partikel wie Aerosole ist allerdings aufwendiger.

Die Filtereffizienz von Masken wird nicht nur durch (a) das verwendete Material, das möglichst wenig Partikel, aber (b) möglichst viel saubere Luft durchlassen sollte, sondern auch durch (c) den lückenlosen Sitz bestimmt. Wenn sich um die Nase herum, an Seiten und Kinn Lücken bilden, strömen die Atemluft sowie darin enthaltene Partikel dort ungehindert ein und aus. Diesen Luftstrom kann man z.B. bei beschlagenen Brillen sehr anschaulich beobachten!

Viren sind sehr klein. Das Coronavirus misst etwa 0,1 Mikron (μm) und 1 μm ist 1/1.000 mm, d.h. das Coronavirus misst 1/10.000 mm. Viren werden typischerweise als Teil eines Tröpfchens ausgestoßen und verklumpen in der Luft mit Salz und Proteinen. Wissenschaftler diskutieren lebhaft darüber, welche Partikelgröße am meisten zur Covid-Übertragung beiträgt. Es ist unwahrscheinlich, dass Partikel unter 0,3 μm eine Rolle spielen, da ein so geringes Volumen kaum genug Viren enthalten kann. Der amerikanische N95-Maskenstandard testet auf 0,3 μm Partikel, während der europäische Standard für medizinische Masken auf 3 μm Partikel testet. Obwohl dies wichtig ist, spielen Testergebnisse keine Rolle, wenn die Luft eher um die Maske herum als durch sie hindurchströmt! Lücken, durch die Luft strömt, können die getestete (!) Wirksamkeit einer Maske ganz erheblich beeinträchtigen.

Wenn man Stoffe gegen das Licht hält, kann man feine Löcher sehen, die durch die Bindung der Fäden entstehen. Diese Löcher sind bei Wirkware wie Jersey groß und elastisch, bei Webware wie Popeline hingegen kleiner und fester. Medizinische Masken werden nicht aus Fäden, sondern aus gesponnenen (Spunbond) oder sogar schmelzgeblasenen (Meltblown) Polypropylen-Fasern hergestellt, daher sind selbst unter dem Mikroskop kaum Löcher erkennbar. Für medizinische Masken werden in der Regel 3-5 Polypropylen-Vliese übereinander gelegt (z.B. S-M-S) und häufig mit einer elektrostatischen Ladung versehen. Filterwirkung und Atemdurchlässigkeit sind erstaunlich.

Mit im Handel erhältlichen Stoffen und Vliesen ist es leider nicht möglich, eine solche Filtereffizienz zu erzielen. Wir können aber immerhin zugrundeliegende Prinzipien nutzen, um die Filterwirkung von Stoffmasken zu optimieren – beispielsweise durch möglichst dicht gewebte Stoffe und das “Schweizer Käse Prinzip” bzw. “Tortuous Path”, laut dem die Überlagerung mehrer undichter Schichten zu einem relativ undurchlässigen Ergebnis führt.


Abbildung: Table 1 aus “Aerosol Filtration Efficiency of Common Fabrics Used in Respiratory Cloth Masks von Konda et al. Aufgrund von Problemen mit der Luftströmung sind die Ergebnisse möglicherweise nicht ganz korrekt, aber der Vergleich von “no gap” und “with gap” zeigt deutlich den Filterverlust durch Lücken. Weitere Studien finden Sie z.B. auf Smart Air Filters oder Mask FAQ. FMVIZ bietet sogar einen Rechner für Materialkombinationen (3 Lagen) an!


Was sind die besonderen Eigenschaften medizinischer Masken?

FFP2-Masken sind partikelfiltrierende Halbmasken aus dem Arbeitsschutz und werden vor allem im medizinischen (Gefahren-) Bereich verwendet. FFP-Bezeichnung und CE-Zeichen dürfen nur Masken tragen, die in der EU-Prüfung min. 94% (FFP2 / KN95), 95% (N95) bzw. 99% (FFP3) der Testaerosole filtern. In Krankenhäusern gibt es vorab ärztliche Untersuchungen und Schulungen zum Umgang mit FFP2-Masken, die nach Modell und Größe speziell auf den Träger angepasst werden. Der korrekte, absolut lückenlose Sitz wird mithilfe jährlicher Fit Tests überprüft.

Ohne spezielle Anpassung und Tests ist es schwierig, die volle Filtereffizienz zu erreichen. FFP-Masken bestehen aus besonders dichtem Material und wenn sie nicht absolut lückenlos sitzen, strömt die Luft um so leichter ungefiltert über die Lücken ein und aus. Dadurch büßen Masken ggf. bis zu 2/3 ihrer Filterleistung ein (siehe Tabelle oben; eine Lücke von nur 1% der Oberfläche einer N95-Maske reduziert die Filtration kleinerer Partikel auf unter 15%!).

Ebenso wie FFP-Masken werden auch OP-Masken aus mehrschichtigen Kunststoffen hergestellt, die einerseits möglichst wenig durchlässig für Partikel sind, andererseits aber auch möglichst wenig Atemwiderstand bieten. Darüber hinaus werden diese Materialien oft mit einer elektrostatischen Ladung versehen, die Partikel abstößt. Da diese elektrostatische Ladung feuchtigkeitsempfindlich ist, lassen sich medizinische Masken generell nicht waschen.

OP-Masken sind dazu da, Träger und Gegenüber vor ausgeatmeten Tröpfchen zu schützen sowie Ansteckungen über kontaminierte Hände zu verhindern. Vor Aerosolen schützen sie kaum. Das CE-Zeichen dürfen Masken tragen, deren Material seine Filterwirkung in einer EU-Prüfung bewiesen hat. Durch viereckige Form und lockeren Sitz strömt zwangsläufig ein Großteil der Atemluft zu den Kanten hinein und hinaus. Die Schutzwirkung ist daher sehr begrenzt.

Im Handel erhältliche medizinische Masken sind meist nur in einer Einheitsgröße verfügbar, die nicht allen gut passt.

Beim Kauf medizinischer Masken ist auf das CE-Zeichen sowie die darauf folgende vierstellige Kenn-Nummer der Zertifizierungsstelle zu achten. Das Zertifikat wird nach Vorgaben der Europäischen Norm 149:2001+A1:2009 bzw. EN 149:2009-08 für Filterleistung und Dichtsitz vergeben und entsprechend EU-Verordnung (EU) 2016/425 ausgestellt.

Über die Filterleistung einfacher Papiermasken oder gefälschter medizinischer Masken habe ich leider keine Angaben gefunden. Fälschungen sind offenbar in hohen Zahlen im Umlauf und für Laien nur schwer zu erkennen. Beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte gibt es hilfreiche Empfehlungen, worauf man achten sollte.


Optimierte Hybrid-Maske, Behelfsmaske, Alltagsmaske, Stoffmaske, Mund-Nase-Maske oder Mund-Nase-Bedeckung zum selber Nähen nach Anleitung, Schnittmuster und Schablone, passt lückenlos und rutscht nicht dank Rückwärtsfalte für Brillenträger, Nasenbügel, Filteröffnung und Tunnelzug für Ohrgummis oder Kopfbändel von Iris Luckhaus

Was sind die besonderen Eigenschaften von Alltagsmasken?

Alltagsmasken oder Mund-Nase-Bedeckungen umfassen ein breites Feld, das sich kaum einheitlich definieren lässt – außer vielleicht dadurch, dass Stoffmasken i.d.R. unkompliziert in der Handhabung sind. Durch ihre Waschbarkeit ermöglichen sie es auch denen, die es sich nicht leisten können, ständig neue medizinische Masken zu kaufen sowie allen, die Plastikmüll vermeiden wollen, sich und andere preisgünstig, nachhaltig und hygienisch zu schützen.

Als Alltagsmasken werden nicht nur locker sitzende Modelle geringer Filtereffizienz, wie z.B. einlagige Jerseymasken, oder Modelle mit mittlerer Filtereffizienz, wie die klassische zweilagige Baumwollmaske, bezeichnet, sondern auch dicht sitzende Modelle mit 3-4 Lagen, die eine überraschend hohe Filtereffizienz erreichen können.

Im März, als Masken knapp waren, wurden auch in Deutschland viele selbst genäht – das hat aber aufgehört, als es gegen Mai (wieder) Masken im Handel gab. In anderen Ländern hingegen nähte man eifrig weiter, u.a. für Spenden an Bedürftige und zum Verkauf. Dabei wurden Materialien, Schnitte und Details weiter erforscht und entwickelt.

Die WHO, die gesunden Menschen unter 60 Jahren nach wie vor Stoffmasken empfiehlt, veröffentlicht regelmäßig Materialempfehlungen. Die aktuelle Empfehlung für einen wirksamen Schutz sind drei dicht gewebte Lagen mit (a) äußerer Schicht aus wasserabweisendem Material wie Polyester, (b) mittlerer Schicht aus einem filternden Material wie Polypropylen-Vlies (NWPP) und Feuchtigkeit absorbierender innerer Schicht wie Baumwolle.

Bei Alltagsmasken sollte man selbstverständlich ebenfalls darauf achten, Lücken zu vermeiden, selbst wenn diese die Filterleistung nicht ganz so drastisch verringern wie bei den dichteren medizinischen Masken. Das Material von Stoffmasken ist meist etwas durchlässiger, daher wird selbst bei Lücken ein höherer Anteil der Atemluft gefiltert.

Stoffmasken gibt es in verschiedenen Formen und Größen, so dass jeder ein passendes Modell finden kann.

Für Alltagsmasken gibt es bislang keinen einheitlichen Standard und auch keine Zertifizierung.

Die Empfehlung der WHO wird auf MakerMask.org schön zusammengefasst und erklärt. Bei FMVIZ gibt es darüber hinaus sogar ein Tool, das die Filtereigenschaften eigener Materialien (3 Lagen, ohne Passform) berechnen kann! Open Source Medical Supplies listet nicht nur fabelhafte Projektanleitungen, sondern vermittelt auch viel Bildung. Eine gute Linkliste auf deutsch bietet Maskezeigen.de, ein Projekt aus dem Hackathon der Bundesregierung.


Optimierte Hybrid-Maske als Übermaske, Cover, Hülle oder Überzug; Alltagsmaske, Mund-Nase-Maske oder Mund-Nase-Bedeckung zum Selbstnähen mit Anleitung, Schnittmuster und Schablone auf Stoff mit Nasenbügel, Filteröffnung und Tunnelzug für Ohrhalter und Kopfbändel von Iris Luckhaus

Was ist das Problem?

Medizinische Masken werden aus Materialien mit sehr hoher Filtereffizienz gefertigt. Die Dichte dieser Materialien führt dazu, dass durch Lücken um den Rand der Maske Luft ungefiltert ein und aus strömen kann. Stoffmasken sind oft aus weniger filtereffizientem Material, dadurch wird die Luft aber selbst bei Lücken zumindest teilweise gefiltert. Stoffmasken bieten außerdem die Möglichkeit, Lücken durch für das eigene Gesicht geeignete Schnitte zu vermeiden.

Darüber hinaus sind Stoffmasken waschbar, dadurch einfacher zu pflegen, nachhaltiger und preisgünstiger, während medizinische Masken häufig falsch gepflegt (z.B. gewaschen) oder einfach immer wieder getragen werden. Dadurch wird nicht nur die Filterwirkung beeinträchtigt, sondern es können sich auch gefährliche Keime ansammeln.

Es gibt Menschen, die aus beruflichen und / oder gesundheitlichen Gründen auf FFP2-Masken angewiesen sind und für die diese zuverlässig verfügbar sein sollten! Medizinische Masken sind meist nur in einer Einheitsgröße verfügbar, die vielen schlecht passt. Es ist für den Laien schwer ersichtlich, ob es sich um (CE-)Fälschungen handelt.

Für medizinisches Fachpersonal, das speziell geschult und getestet wird, sind medizinische Masken zweifelsohne der bestmögliche Schutz. Einer Verpflichtung der allgemeinen Bevölkerung zum Tragen dieser Masken stehen allerdings die – offenbar weithin unbekannten – Probleme unsachgemäßer Nutzung entgegen. Die allermeisten gehen davon aus, dass man eine FFP-Maske einfach aufsetzt und komplett geschützt ist, und verhalten sich oft entsprechend.

Bei der Verpflichtung fehlt mir die wissenschaftliche Begründung. Meines Wissens gibt es keine Studie, die zeigt, dass Stoffmasken für die breite Bevölkerung weniger effektiv wären als Papiermasken. Das einzige, was ich finden konnte, war die Begründung des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder: Wird das Virus gefährlicher, muss die Maske besser werden. Das finde ich inhaltlich vollkommen richtig, auch wenn ich der Konsequenz daraus nicht zustimme.

Rund um die Welt gab und gibt es Informationskampagnen darüber, wie man Stoffmasken möglichst effektiv gestaltet und worauf man beim Kauf achten muss. So etwas vermisse ich in Deutschland bis heute! Da hätte man sehr gut ansetzen und ggf. kaum filternde Modelle wie einlagige Jerseymasken vom Markt nehmen oder verbieten können.

Art FFP2-Maske (Handel) OP-Maske (Handel) Papiermaske Stoffmaske
Filtermaterial Exzellent Sehr hoch Fraglich Niedrig bis hoch
Zertifizierung Ja (CE-Zeichen) Ja (CE-Zeichen) Keine Keine
Passform Erforderlich (Fit Test) Lücken Lücken Breites Spektrum
Größen Meist Einheitsgröße Meist Einheitsgröße Meist Einheitsgröße Breites Spektrum
Pflege Kompliziert Kompliziert Kompliziert Waschbar
Nachhaltigkeit Wegwerfprodukt Wegwerfprodukt Wegwerfprodukt Mehrwegprodukt
Preis Am teuersten Eher günstiger Billig Unterschiedlich


Wie kann ich das für mich selbst lösen?

Für mich und viele andere bedeutet die medizinische Maskenpflicht, von nun an in Risikosituationen nur noch Masken tragen zu dürfen, die zwar sehr gute Filtereigenschaften haben, aber durch ihre Passform letztlich sogar riskanter sein können als gut filternde und lückenlos sitzende Stoffmasken. Um mich und andere auch weiterhin effektiv zu schützen, versuche ich hier Lösungen zu finden, wie sich die geltende Bestimmung mit einem möglichst verantwortungsvollen, sicheren und nachhaltigen Umgang mit diesen Masken vereinbaren lässt.


Kann ich selbst herausfinden, wie gut Masken schützen?

Es gibt einige einfache Tests, mit denen man Filtereffizienz und Passform seiner Masken auch zuhause prüfen kann! Diese Tests sind nicht nur dann nützlich, wenn man selbst Masken näht, sondern auch dann, wenn man gekaufte Masken (deren Zertifikat u.U. wenig vertrauenswürdig erscheint) prüfen, vergleichen und ggf. optimieren möchte.

Bevor Sie mit einer neuen Art von Maske unter Leute gehen, sollten Sie testen, ob – und unter welchen Bedingungen – Sie damit gut atmen können, z.B. beim Treppensteigen. Falls Sie unsicher sind, fragen Sie bitte Ihren Arzt!

So können Sie testen, ob – und wo genau – Ihre Maske Lücken aufweist:
★ Brillen-Test: Wenn die Brille beschlägt, heißt das, dass der obere Rand der Maske nicht lückenlos abschließt.
★ Minz-Test: Wenn Sie ein Pfefferminz (z.B. Tictac) essen und das in den Augen brennt, ist die Maske oben nicht dicht.
★ Puste-Test: Wenn man kräftig atmet, sollte sich die Maske wölben. Luftzug oder Rand-Bewegungen zeigen Lücken!
★ Hand-Test: Um Luftzug oder Bewegung zu spüren, legt man beim kräftigen Ausatmen Hände um den Maskenrand.
★ Kiemen-Test: Lassen Sie jemanden von schräg hinten auf die Maskenseiten schauen, während Sie schwer ausatmen.
★ Rauch-Test: Wer Rauch einatmet und in der Maske ausatmet, kann den Weg des Luftstroms klar verfolgen.

Um herauszufinden, ob Ihre Maske rutschfest sitzt, sollten Sie diese vorab nicht nur kurz aufprobieren, sondern auch damit sprechen, lachen und gähnen – und danach ggf. die oben genannten Lücken-Tests abermals durchführen.

So können Sie testen und vergleichen, wie effektiv Ihr Material filtert:
★ Licht-Test: Wenn Sie Ihre Stoffe oder Masken ans Licht halten, können Sie gut sehen, wie dicht das Gewebe ist.
★ Spray-Test: Wenn Sie Wasser durch Stoff auf einen Spiegel sprühen, können Sie die Durchlässigkeit erkennen.
★ Vom beliebten Kerzen-Test raten wir ab, da nur die Luftdurchlässigkeit und nicht die Filtereffizient bestimmt wird.

MakerMask.org zeigen auf ihrer Website drei detailliertere, wissenschaftlichere Tests zur Materialeffizienz.

Bei OSHA Fit Tests in Krankenhäusern wird kontrolliert, ob die maskierten Probanden intensive Gerüche einer bestimmten Partikelgröße (z.B. Saccharin) wahrnehmen können. Laut Act Laboratory lässt sich ein recht ähnlicher Test zuhause mit Nag Champa Räucherstäbchen durchführen, das haben wir selbst aber noch nicht ausprobiert.

Wenn Sie meinen Tipps folgen, tun Sie dies auf Ihre eigene Verantwortung. Ich kann nicht garantieren, dass Sie sich nicht anstecken oder anderweitig zu Schaden kommen! Bitte befolgen Sie die üblichen Sicherheitsregeln (AHA+L) sowie lokale Maßnahmen. Bei Problemen oder Unsicherheiten fragen Sie bitte Ihren Arzt!

Kann ich Einwegmasken mehrmals tragen?

Generell ist unbedingt davon abzuraten, Masken mehrmals direkt hintereinander zu tragen! Getragene Masken jeder Art sollten vorsichtshalber immer so behandelt werden, als wären sie kontaminiert, und daher z.B. nur an den Bändeln und keinesfalls mittendrauf angefasst oder gar – wie häufig praktiziert – um den Hals gehängt werden.

Viren und Bakterien, die die Maske möglicherweise verunreinigen, lassen sich bei medizinischen Masken durch eine Trockenzeit von min. 7 Tagen oder Erhitzen im Backofen (60 Min. bei exakt 80°) deaktivieren. Sollten medizinische Masken feucht oder schmutzig werden, verlieren sie ihre Filtereigenschaften und sollten sicher entsorgt werden.

Die FH Münster bietet ein detailliertes, bebildertes PDF über “Möglichkeiten und Grenzen der eigenverantwortlichen Wiederverwendung von FFP2-Masken für den Privatgebrauch” an, dessen Lektüre ich hier empfehlen möchte.


Was kann ich tun, um die Passform meiner Masken zu verbessern?

Grundsätzlich sollte jede Gesichtsmaske rundherum möglichst dicht am Gesicht anliegen, ohne einzuengen. Bei manchen Trägern und Modellen mag das auf Anhieb perfekt sitzen, bei den weitaus meisten tut es das aber nicht.

Um den Sitz zu verbessern, sollte man zunächst die Bändel so anziehen, dass sie stramm, aber bequem sitzen. Bei medizinischen Masken lassen sich die Ohrhalter ggf. durch Schiebeknoten (s.u.) verkürzen, mit einer oder mehr (Büro-)Klammer/n auf dem Hinterkopf befestigen oder von beiden Seiten um Zopf/Dutt legen (s.u.). Bei OP-Masken kann man die Bändel – möglichst nah an der Klebe-/Schweißstelle – ganz einfach verknoten und das abstehende Material nach innen stecken (“Knot & Tuck”, CDC-Video). Sind die Bändel lang genug, können sie ggf. auch aufgeschnitten und hinter dem Kopf gebunden werden. Mehr Maskenbindetechniken finden Sie in einem separaten Beitrag! Dort gibt es auch einige Lösungen für empfindliche Ohren sowie die Träger von Brillen oder Hörgeräten.

Abbildung: Binden eines Schiebeknotens in vier Schritten

Im nächsten Schritt sollte der Nasenbügel so angedrückt werden, dass er sich lückenlos um Nase und Wangen formt. Bei FFP-Masken hilft es, die harte Spitze, die sich bei vielen Modellen durch die Faltung in der Mitte ergibt, auszustreichen und um einen Finger herum rund zu formen. Sollte das nicht ausreichen, kann der Nasenbereich mit Doppelklebeband oder Silikonstreifen (“BH-Tape”) besser abgedichtet werden. Bei OP-Masken, die im Nasenbereich besonders schlecht sitzen, kann der obere Rand als Rückwärtsfalte vorsichtig nach innen geklappt werden.

Eine kürzlich von Clapp et al durchgeführte Studie ergab, dass eine (a) normal (= mit Lücken) getragene OP-Maske 38,5% der Partikel filtert. Daneben wurden verschiedene Methoden zum Verschließen der Lücken getestet, z.B (b) Knoten der Ohrhalter und Einstecken der seitlichen Falten führt zu 60,3%, (c) Befestigen der Ohrschlaufen auf dem Hinterkopf führt zu 64,8%, (d) Platzieren eines Rings aus 3 Gummibändern über der Maske und um die Ohren herum (s. Foto oben) führte zu 78,2% und (e) ein über der Maske getragenes 10-Zoll-Segment aus Nylonstrümpfen führte zu 80,2% Filtereffizienz. Das bedeutet, dass Sie durch sorgfältiges Schließen der Lücken die Filtereffizienz einer OP-Maske mehr als verdoppeln können! Die neue Empfehlung der CDC für Doppelmasken basiert auf dieser Studie.

Infografik zu Maskenbindetechniken, die am Beispiel der Hybrid-Maske verschiedene Arten oder Wege zeigt, wie man die Behelfsmaske, Alltagsmaske, Mundmaske, Stoffmaske, Mund-Nasen-Maske oder Mund-Nasen-Bedeckung mit Ohrhalter, Ohrgummi, Ohrband oder Kopfbändel aus Elastik, Jersey oder Textilband mit und ohne verstellbare Schiebeknoten, Ponyperlen oder Kordelstopper und Dutt oder Pferdeschwanz an den Ohren oder um den Kopf befestigt, von Iris Luckhaus

Neben geknoteten Gummibändern (s. Foto oben) oder Nylonstrümpfen gibt es auch professionellere Konstruktionen, die den Sitz einer OP-Maske verbessern und Lücken reduzieren können, z.B. Mask Braces or Mask Fitter. Wir lösen das Problem auf ähnliche Art, indem wir lückenlos sitzende Stoffmasken über FFP2- bzw. OP-Masken tragen.


Optimierte Hybrid-Maske als Übermaske, Cover, Hülle oder Überzug; Alltagsmaske, Mund-Nase-Maske oder Mund-Nase-Bedeckung zum Selbstnähen mit Anleitung, Schnittmuster und Schablone auf Stoff mit Nasenbügel, Filteröffnung und Tunnelzug für Ohrhalter und Kopfbändel von Iris Luckhaus

Doppelmasken kombinieren optimale Filterung und Passform

Als im Frühjahr 2020 selbst beim medizinischen Fachpersonal die FFP2-/KN95-Masken knapp waren und oft wochenlang vorhalten mussten, habe ich vielen Ärztinnen und Pflegern dabei geholfen, Masken nach meinem Hybridschnitt als Cover für ihre medizinischen Masken zu nähen und war überrascht, wie gut das passt und sitzt!

Mit Risikogruppe in der Familie müssen wir uns besonders gut schützen, und die üblichen FFP2-/KN95-Masken sitzen bei uns allen leider nicht perfekt, d.h. absolut lückenlos. Daher tragen wir seither in Risikosituationen ebenfalls selbst genähte Hybridmasken über unseren FFP2-/KN95-Masken, die durch die Übermasken nicht nur zuverlässig lückenlos abgedichtet, sondern auch gut geschützt werden, so dass sie etwas länger getragen werden können.

Auch für Bartträger eignet sich der Hybrid als Übermaske, da die abstehenden Härchen im Wangenbereich dank der seitlichen Tunnelzüge deutlich näher ans Gesicht gedrückt werden, wodurch sich die Lücken drastisch reduzieren.

In einem separaten Beitrag über Doppelmasken stelle ich unsere Erfahrungen mit der Hybridmaske und FF2-/KN95-Masken sowie OP-Masken im Detail vor, mit Tipps für eine unkomplizierte, sichere und komfortable Handhabung.


Sind Doppelmasken in Deutschland denn erlaubt?

Im Januar wurde das verpflichtende Tragen medizinischer Masken beschlossen, nicht das Tragen sichtbarer medizinischer Masken (das wäre wohl kaum wissenschaftlich zu begründen!) – also spricht, soweit ich das beurteilen kann, absolut nichts dagegen, medizinische Masken mit einer Stoffmaske als abdichtende Hülle obendrüber zu tragen.

Falls jemand beanstandet, dass meine Masken-Kombination nicht wie eine medizinische Maske aussieht, verweise ich auf doppelte Bändel und habe trainiert, eine Seite der Übermaske für einen Moment so zu lüpfen, dass die untere Maske an Ort und Stelle bleibt! Daneben nehme ich auch die Verpackungen der medizinischen Masken mit.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Doppelmasken, die ihren Träger durch die Kombination effizienter Filter mit einer lückenlosen Passform viel besser schützen, auch hierzulande sehr bald häufiger gesehen werden.


Dieser Beitrag entspricht meinem Kenntnisstand vom 8. August 2021 und wird (wie üblich) bei neuen Erkenntnissen entsprechend korrigiert. Ich freue mich immer wieder sehr über Kommentare, Hinweise und Studien :)


Luckhaus Hybrid Mask Hub

Falls Sie nun neugierig geworden sind und gern bei Hybridschnittmuster, dazugehöriger Bildanleitung, Instantmaske, Bindetechniken o.ä. weiterlesen möchten, gibt’s auf meiner Masken-Verteiler-Seite alle Links mit Bild!


Nutzungsbedingungen, Rechte und Weiterteilen

Dieser Beitrag darf sehr gern weitergeteilt werden. Design, Schnitt und Anleitung der Hybridmaske sind allerdings urheberrechtlich geschützt (© Iris Luckhaus) und dürfen ausschließlich nicht-kommerziell verwendet werden. Ich freue mich immer, Fotos von Hybridmasken unter den Tags @irisluckhaus und #luckhausmask zu entdecken! :)

Um zu erfahren, wie es mit meinen Masken weitergeht (und es geht bestimmt weiter!), sind Sie herzlich eingeladen, mir und meiner Arbeit auf Facebook, Twitter, Instagram, Xing, LinkedIn, Pinterest oder YouTube zu folgen. Dort finden Sie auch meine eigenen Beiträge, die Sie gern mit Ihren Freunden und/oder Gruppen teilen dürfen!

         

Ich verbringe grade jede freie Minute damit, den Helfern beim Helfen zu helfen. Wenn Sie diese Arbeit unterstützen wollen (oder meine Maske so großartig finden, dass Sie sich besonders herzlich bedanken möchten :)), würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir via Paypal-Spende (post@irisluckhaus.de) ein bisschen Zeit schenken könnten!

Sollten Sie Design, Schnitt oder Anleitung gern kommerziell (d.h. mit der Absicht, in irgendeiner Form Gewinn zu erzielen!) verwenden wollen, beispielsweise durch den Verkauf von nach meinem Design genähten Masken zu mehr als Selbstkostenpreis oder Abdruck der Anleitung, kann ich Ihnen auf Anfrage sehr gern ein Angebot dafür erstellen!


Hybrid cloth mask or fabric face covering as a top mask, outer cover or sleeve, with reverse nose pleat for glasses, filter opening for space, channels with ear loops and head ties for a a gapless fit for glasses by Iris Luckhaus, to make or sew yourself with instructions, pattern and template

Danksagung

Herzlichsten Dank an Matthias Klesse, Angelika Luckhaus, Reinhard Luckhaus, Sarah Rice, Matt Thomas, Devon Ostrom, Hope Rambo Metzler, Rebecca Ma Lau, Devon Rowland, Tim Pani, Andrea Haydon, Kiri Schultz, Ania Mitros und Horst sowie die unzähligen Näherinnen und Näher (u.a. aus diversen Facebook-Gruppen) für lehrreiche Diskussionen, interessante Studien, gute Fragen, große Begeisterung und spannende Tests, für Korrekturen und wissenschaftliches Unterfüttern dieses Beitrags sowie die fabelhafte Unterstützung! Für mich seid Ihr alle Helden.


Passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund! ❤

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